strassenwohnung R.I.P.

hat auf jeden fall den kotti ziemlich mitgeprägt dieses domizil, jetzt isses weg.
............................................................
...........................................

'Ingo vom Kotti' gestorben
Obdachloser wohl erfroren

ibz.

Über Schnee und Eis lache ich doch', hat er vor fünf Jahren einmal in einem seiner gar nicht so seltenen Interviews gesagt. 'Ich bin eine deutsche Eiche. So etwas halt ich aus.' Ingo, wie er sich selbst und andere ihn nannten, hat mindestens zwölf Jahre am Kottbusser Tor in Kreuzberg kampiert. Er wurde eine lokale Berühmtheit. Über den Obdachlosen erschienen Artikel in den Berliner Zeitungen. Wer häufig am Kottbusser Tor unterwegs war, kannte sein Zuhause: ein paar Matratzen und Decken auf dem Rondell unter der U-Bahn-Brücke. Am 17. November ist Burkhard Horstmann, wie Ingo eigentlich hieß, gestorben. Vermutlich erfroren. Die Obduktionsergebnisse liegen noch nicht vor, so die Polizei. Doch der 50-Jährige war wohl der erste Kältetote dieses Winters. Es war keine sehr kalte Nacht, in der er starb: minus ein Grad. Alkohol und ein schlechter Gesundheitszustand dürften bei seinem Tod auch eine Rolle gespielt haben.

Kurz nach seinem Tod machten Gerüchte unter Obdachlosen die Runde, Ingo sei in dieser Nacht betrunken von Sicherheitskräften aus dem U-Bahn-Bereich gebracht und im Freien niedergelegt worden. Es ist äußerst fraglich, ob dies stimmt. Bei der BVG ist man über die Verdächtigungen jedenfalls empört, schließlich war Ingo jahrelang geduldet. Manche Wachleute spendierten ihm gelegentlich einen Kaffee. Auch die Mitarbeiter des Fixerbusses, der am Kottbusser Tor steht, sind skeptisch. 'Die Wachleute sind mit ihm immer gut umgegangen', heißt es. Ingo sei wohl krank gewesen. Zuletzt habe er 'um zehn bis 15 Jahre gealtert' ausgesehen.

Geboren wurde Burkhard Horstmann in Rostock. Er war mal verheiratet, saß wegen Republikflucht im Gefängnis und wurde Anfang der 80er Jahre in den Westen abgeschoben. Fuß gefasst hat er nie. Am Dienstag wurde er in Köpenick beigesetzt. (ibz.) (Berliner Zeitung,Donnerstag, 15. Dezember 2005)