RYC - Kein Eintritt, Keine Polizei (2011)

RECLAIM YOUR CITY Exhibition 2011

ab Fr 28.10.2011 um 20Uhr in einer ehemaligen öffentlichen Toilette am U-Bhf. Mehringdamm

Treffpunkt von 20 – 21Uhr. Keine Verkaufsausstellung. Einmal pünktlich Freiwein.

Alikolo | Azione | Beat & Roland (Czzz) | BeCycle | Bored | Book | Bimer | Chula | Die Räuber | elfc | Fiffi Zent | Freak Revolt | Grafro | Herr Handstand | Kotelett | Lazer | Life | Luckycats | Mad Cow | Moi | Noel | Normal 3000 | Now3011 | NSF | One United Partycrowd | Pappsatt | Pnöm | Sam Crew | Shek | Spiel | Stromausfall | Tais | Tika | Various & Gould | Wurstbande | ZBE Crew | and friends…

Kein Eintritt – Keine Polizei

 

 

Occupying Bedürfnisanstalt

Reclaim Your City–Netzwerk gestaltet verlassene Toilette zur öffentlichen Galerie um.

Diebische Freude in unseren Gesichtern: der Plan ist aufgegangen, die Aufregung und Nervosität der letzten Tage und Stunden wandelt sich in Euphorie. Wir halten seit zwei Wochen eine Toilette auf der größten Kreuzung in Kreuzberg 61 besetzt. Erst heimlich und still und schließlich öffentlich und laut. Seit Freitag steht die Reclaim Your City Galerie allen offen.

Ach du scheiße, ey!“ (Lucky Cats, Streetartfotografin)

Nach ersten Besichtigungen der seit zehn Jahren leer stehenden Sanitäranlage unter der Kreuzung Mehringdamm/Gneisenaustrasse realisieren wir den Reiz als auch die Arbeit die in dem ungewöhnlichen Ort stecken. Wir verräumen Schutt, waschen die Wände ab und kehren. Wir zapfen Strom an und verlegen Kabel. Wir organisieren eine Musikanlage und Boxen und stellen eine Playlist für die Eröffnung zusammen. Wir drucken bis vier Uhr morgens Plakate und Aufkleber und plakatieren in Neukölln, Kreuzberg, Friedrichshain und Wedding. Schließlich gestalten 30 Streetartaktivisten und Graffitimalerinnen die Toilettenräume um. Die ganze Zeit haben wir Angst entdeckt zu werden.

Die beste Ausstellung 2011!“ (Tony G., der König vom Hermannplatz)

Am vergangenen Freitag drängeln und schlängeln sich schließlich 500 Menschen durch die angeeigneten Räumlichkeiten. Auf der Verkehrsinsel führen zwei Treppen in den Untergrund. Die Location ist gerappelt voll, die Farbe der Gemälde teilweise noch feucht, manch einer wird eingefärbt nach Hause gehen. Die Sicht auf die gestalteten Wände bleibt im unteren Teil durch die Besuchermassen versperrt. Die Stimmung ist trotzdem prächtig. Ein mobiles Soundsystem beschallt den oberirdischen Teil der Eröffnungsparty.

Wurden schon paar Sachen verkauft?“ (Bamboo, Graffitikid Kreuzberg)

Eine Streetartausstellung? Ist die Straße nicht der Ausstellungsort für diese Kunstform? Nach dem Streetarthype folgt die Vereinnahmung durch Werbung und Produktdesign. Ästhetik und Stile der Streetart werden von Medienfuzzis und Werbestrategen kopiert. Einigen wenigen Künstlern gelingt der Sprung in die Kunstwelt, der Rest arbeitet hart und kommt trotzdem nicht über die Runden. Auf Streetartmessen vernetzen sich Galeristen und versuche krampfhaft eine verkaufswillige Szene an die Kundschaft zu bringen. Was bleibt?

Dass ich so was 2011 noch miterleben darf!“ (Pussy mit den Feuerlöschern)

Eine Besetzung mit einer öffentlich angekündigten Ausstellung zu verknüpfen ist genial. Die Umnutzung einer ehemals verlassenen und verdreckten Toilette zu einem öffentlichen Ausstellungsraum ist dabei eine praktische Initiative die Stadt als Lebensraum aller ihrer Bewohner und Bewohnerinnen neu zu verhandeln. Das Reclaim Your City Netzwerk verweist mit der Aktion auf den Charakter und die Herkunft der Streetart: Untergrund, do-it-yourself und unverkäuflich.

Fickt euch alle!“ (der Kurator, als er um 1:30 geht)

Wir tanzen zu „Mehr Geld für Berlin“ von John Doe, der Freiwein ist längst alle. Leider sind wir auf eine langfristige Aktion nicht vorbereitet. Wir übergeben die Räumlichkeiten hiermit der Öffentlichkeit und versprechen wieder zu kommen und uns die Stadt jeden Tag zurück zu nehmen.

Reclaim Your City Ausstellung 2011, bis auf weiteres täglich auf der Kreuzung Mehringdamm/Gneisenaustraße in Berlin Kreuzberg.

„und wer war das nochmal mit den Fröschen?“ (Fiffi Zent, Streberrapartistin Kreuzkotze)

Update: Auf der dritten Party tauchten dann wider der Ansage „Kein Eintritt, kein Facebook, keine Polizei“ die Bullen auf. Die Toilette ist seit dem mit dicken Schlössern und Pressspanplatten verrammelt und wartet auf die Wiedereröffnung!

 

(Quelle: Flugblatt)

PICTURES