Hausbesetzer-Graffiti in Berlin 1980-1984

West-Berlin um 1980:

Obwohl grosse Wohnungsknappheit herrscht, werden ganze Strassenzüge über Jahre entmietet um sie abzureissen und an ihrer Stelle Gross-Siedlungen zu errichten.
Um ihren weiteren Verfall und den darauf folgenden Abriss zu verhindern und bezahlbarem Wohnraum zu schaffen, werden von den hunderten leerstehenden Häusern etliche von HausbesetzerInnen in Beschlag genommen.

Am 12.12.1980 verhindert die Polizei in Kreuzberg die Besetzung eines Hauskomplexes am Fraenkelufer. HausbesetzerInnen errichten in den umliegenden Strassen Barrikaden, die Polizei eskaliert die Situation vollkommen, es kommt zu heftigen Strassenschlachten in der Stadt. Die Geburtsstunde der Berliner Hausbesetzer-Bewegung.

Im Juni 1981 sind bereits 165 Häuser besetzt. Mit dem Antritt des CDU Senats werden Neubesetzungen nicht mehr geduldet. Der Rechtsaussen-Innensenator Lummer sagt den Hausbesetzern den Kampf an und lässt zahlreiche Besetzungen brutal räumen. Höhepunkt der Auseinandersetzungen ist der Tod von Klaus-Jürgen Rattay, den die Polizei am 22.9.1981 bei einer Demonstration vor einen fahrenden Bus treibt.

Bis 1984 liessen sich viele der Häuser mit Verträgen legalisieren, der Rest wurde von der Polizei kompromisslos geräumt. Noch heute gibt es Hunderte von Hausprojekten in Berlin. Manche existieren als reine Wohnhäuser, aus vielen anderen ist eine stadtweite Infrastruktur aus Kunst- und Kultur-Zentren, Kneipen, Nachbarschafts-Läden, Party-Locations, Werkstätten, Kollektiv-Betrieben usw. entstanden.

 

Fotos von Manfred Kraft / Umbruch-Bildarchiv.

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