Biennale Busting 2

Erinnerung:

Dies ist der ehemalige Todesstreifen der Berliner Mauer. Ort zahlreicher Toter des Kalten Krieges. Zuvor starben an dieser Stelle im 2.Weltkrieg unzählige Menschen, Zivilisten wie Soldaten und ganz Berlin war übersäht mit provisorischen Gräbern.
Diese Plastik eines aufgepflanzten M16 Schnellfeuergewehres mit Stahlhelm und Schutzbrille symbolisiert das provisorische Grab eines Soldaten und ist das Zeichen heutiger Kriege.
Jeden Tag sterben überall auf der Welt Menschen durch kriegerische Auseinandersetzungen.
Mütter, Väter, Töchter, Söhne und Soldaten.
An diese täglichen Toten und die Toten vergangener Kriege soll dieses Mahnmal erinnern.
Denn diese sterben auch dann, wenn wir es in der vermeindlichen Sicherheit unserer Westlichen Welt mittlerweile gewohnt sind die täglichen Meldungen von mehreren hundert Toten in Kabul, Baghdad oder sonstwo zu verdrängen.
In über 44 Ländern dieser Erde herrscht heute immer noch Krieg. Jeden Tag.

Zerstörung:

Diese Aktion mahnt gleichzeitig daran, daß jegliches menschliches Wirken mit Zerstörung verbunden ist. Der Mensch tötet um zu überleben, für seine Behausung und seine Feuerstelle fällt er Bäume und da wo der Mensch sich Platz schafft, muss Natur weichen und wird zerstört.
Schon für den Bau dieses Mahnmals wurde Natur vernichtet: für das Gerüst Bäume gefällt, für die PET-Flaschen ganze Landstriche der Industrie und dem Öl-Abbau unterworfen, dem Öl wiederum Kriege, Autobahnen und Klimawandel geweiht und auch der Polyurethanschaum ist biologisch überhaupt nicht weiter abbaubar.
Diese Plastik wurde hauptsächlich aus alten Plastikflaschen gebaut – die unbrauchbaren Überreste unserer zerstörerischen Gesellschaft spenden Neuem Leben in Form einer Plastik aus Plastik.
Denn auch das kulturelle Wirken des Menschen geht immer mit Zerstörung einher.
Eine Leinwand zu bemalen, heißt ihre weiße Reinheit zu zerstören, ein Haus zu errichten, heißt die Natur an jenem Platz zu zerstören. Doch nur Mensch bewertet diese Zerstörung unterschiedlich: ein Haus weiß zu bemalen heißt renovieren, eine weiße Hauswand zu bemalen heißt Sachbeschädigung.
Wer immer etwas Neues schaffen will, muss etwas anderes dafür zerstören, das Bild des früheren verändern, denn niemand schafft aus dem Nichts. Die kreative Natur unseres Geistes schafft und zerstört immer zugleich. Und aus Zerstörung erwächst Neues – wie aus den Trümmern dieses Geländes neue kleine Bäumchen sprießen und irgendwann wieder menschlichem Raumdrang und Kreativität in Form von Architektur oder Kunstprojekten wie diesem weichen werden. Leben, Tod und Zerstörung sind Elemente eines Keislaufes, der immer neues gebiert. Zerstörung ist das Gegenteil von Erhalt und notwendig, damit neues entstehen kann. Bitte setzen sie ein Zeichen gegen Konservatismus und Restauration und zerstören sie dieses Kunstwerk.

„Wir müssen diese Stadt zerstören, um sie zu retten.“
US-Forces Commander, Ben Tre, Vietnam 1968

Illegalität:

Dieses Projekt ist nach Willen der Behörden illegal. Es ist auch ohne Wissen und Erlaubnis der 5.Berlin Biennale, deren Kuratoren, der Grundbesitzer oder der hier arbeitenden und ausstellenden Künstler umgesetzt worden.
Es ist wahrscheinlich auch moralisch, ethisch und künstlerisch bedenklich sich ungefragt auf diese Präsentationsfläche zu mogeln.
Doch als kriminalisierte Kunstform muss sich Urban-Art auf diesem Weg seinen Raum im städtischen Kosmos erobern und sich seinen Platz innerhalb der weitaus weniger etablierten Positionen der jüngeren Künstlerschaft sichern. Betrachten sie uns als künstlerische Flüchtlinge, die ihren kreativen Anteil an einer zunehmend durchgestalteten Umwelt einfordern. Denn der öffentliche Raum steht lange nicht allen offen und nur wenige sind eingeladen ihn zu verändern. Ziel ist es die Vielfalt zeitgenössischer Kunstpraxis zu zeigen.
Kein Mensch und keine Kunst ist illegal !

Dank:
Vielen Dank für all die Flaschen an die arabischen Autohändler Kreuzbergs , ohne deren Hilfe dieses Projekt nicht umsetzbar gewesen wäre.