OZ ist tot - es lebe der Sprühling!

Ein konsequentes Leben geht konsequent zu Ende - OZ ist tot.

Mit großer Bestürzung haben wir die Nachricht vom Tod der Hamburger Sprüher-Legende OZ aufgenommen. Am Donnerstag den 25.09.2014 wurde OZ auf den Gleisanlagen zwischen den Stationen Hamburg-HBF und Berliner Tor von einer S-Bahn erfasst. Eine Sprühdose und ein frische Sprüherei in der Nähe des Unfallorts begründen seinen Aufenthalt.

Bis letzten Donnerstag hat der 64 Jahre alte OZ in über drei Jahrzehnten auf den Straßen Hamburgs eine unverkennbare Formsprache entwickelt, die von Namensschriftzügen über Parolen bis hin zu einer Vielzahl figürlicher Malereien reicht.

Für seine Zeichen und farbenfrohen Gebilde fand er alle möglichen und unmöglichen Stellen: Hausfassaden, Unterführungen, Stadtmobiliar... Er stellte mit seiner Aktivität im öffentlichen Raum dessen Besitzverhältnisse in Frage. Der Ordnungsmacht und spießbürgerlichen HanseatInnen war er deswegen ein Dorn im Auge. Zahlreiche Festnahmen und Verurteilungen, mehrere Jahre in Knästen und Anstalten konnten OZ jedoch nicht klein kriegen.

 

Zuletzt konnte 2012 dank einer breiten Solidaritätskampagne und bester anwaltlicher Unterstützung eine drohende 1,5-jährige Haftstrafe abgeschmettert werden. Im April 2014 erschien bei Assoziation A das Buch "Free OZ", das den Menschen OZ und sein Schaffen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

OZ hat durch seine Aktivität eine andere Stadt geschaffen. Er hat graue Flächen übernommen, zugewucherte Bunker frei gelegt um sie zu bemalen, Stromkästen ein Gesicht gegeben. Über das Gesetz hinweg hat er über all die Jahre an der Gestaltung der Stadt gearbeitet. Neben dieser physischen Aneignung des Raums, hat OZ` Werk die gedanklichen Grenzen des möglichen Lebens und Gestaltens in der Stadt verschoben.
Dafür sind wir ihm sehr dankbar.

Gelegenheiten sich an OZ zu erinnern wird es entsprechend seiner zahlreichen Werke im Hamburger Stadtbild zumindest in den nächsten Jahren noch reichlich geben. Aber Graffiti ist vergänglich, auch weil die von ihm permanent bekämpften "Saubernazis" ihre Vision eines kontrollierten, kommerziell ausgeschlachteten Stadtraums weiter verfolgen werden. Es liegt an uns und unserer Konsequenz, die von OZ erkletterten Räume weiterhin zu besetzen und die Stadt von unten weiter zu träumen.
Dabei werden wir ihn vermissen.

 

Pappsatt und das Graffitiarchiv
für reclaimyourcity.net

 

Zum Weiterlesen:
- Der Beitrag "OZ ist unsre Leitkultur" von Pappsatt zum "Free OZ!"-Buch, ist hier auf RYC nachzulesen.
- Video von Pappsatt zu ihrer "Free OZ" - Soli-Aktion auf der 1.Mai-Demo 2011 in Berlin.
- Nachruf zu OZ von Theo Bruns / Assoziation A-Verlag.