Interview mit Los Piratos aus Hamburg (Ende 2006)

Los Piratos machen mittlerweile schon seit Jahren mit ihren aufwändigen Fliesen, Riesen-PasteUps und Multi-Layer Stencils Hamburg unsicher. Obwohl es verschiedene Serien mit wiederkehrenden Motiven gibt, betreten sie kontinuierlich neue Ufer sowohl was ihre Styles als auch die Motive angeht.

Dieses Interview entstand Ende 2006.

 

 

:Was sind denn euer Lieblingsfarben?

G.Störtebeker: Hauptsache es knallt.

Achtern: Genau…Außerdem würde ich sagen, dass Schwarzrot meine momentane Lieblingsfarbe ist. Rotkombinationen, Graukombis und Braunkombinationen sind auch super…
 

 
 

:Euer Name und eure Motive sind ja eng miteinander verknüpft, wie kam es zu der Idee und wann habt ihr damit angefangen?

G.Störtebeker: Vor Los Piratos habe wir jeder unsere eigenen Sachen gemacht. Die Idee ein Team zu bilden, kam uns so 2002. –Warum Piratos? Wir sind schon als Kinder zum Fasching immer als Piraten gegangen. Piraten sind einfach geil, machen was sie wollen, nehm´sich was sie brauchen, plündern, saufen… genau wie wir.

Achtern: Als wir überlegten was wir zusammen machen könnten lernte ich, im Urlaub, eine Hand voll Leute kennen, die auf einen selbstgebauten Piratenschiff um die Welt segelten. Die haben mich nachhaltig beeindruckt und rückblickend gesehen haben diese Jungs ihren passiven Teil zu der Idee mit Los Piratos beigetragen. Außerdem sind Piraten, seit Störtebeker, schon immer Helden im Norden gewesen…
 

 

 
 

:Macht ihr denn noch bei anderen Projekten mit oder bleibt dafür keine Zeit mehr?

G.Störtebeker: Ja mehrere. Piratos ist aber im Augenblick das Hauptding. Bin auch immer offen für neue Projekte. Zeit muß man sich nehmen...
 

 

 

:Gibt es Leute die euch besonders beeinflusst haben?

Achtern: Francis Drake, Blackbeard, Henry Morgan, William Kidd, Jack Rackham, Funk25, Mary Read, Banksy, Klaus Störtebeker, meine Mutter

 

:Ihr beschränkt euch ja nicht nur auf Piraten sondern habt auch andere wiederkehrende Motive wie zb kids. wie entstehen eure sachen?

G.Störtebeker: Die ersten zwei Jahre haben wir auch echt nur Piraten gemacht. Mittlerweile machen wir alles, was uns an Motiven irgendwie flasht. Irgendwann hatte ich die Schablone von dem revolutionären die-Faust-in-die-Luft-streckenden Mädchen geschnitten. Daraus ist dann z.B. die ganze Kids-Serie entstanden. Einer von uns hat eine Idee und dann steigert man sich da rein… Zu zweit kann man sich da sehr gut gegenseitig motivieren, daher haben wir auch so viele Motive.

Achtern: Freunde, die Stadt, andere Leute die was machen, Medien, Arbeit… alles inspiriert. Hauptsächlich inspirieren und motivieren wir uns jedoch gegenseitig! Wie G.S. bereits sagte - einer von uns hat eine Idee, der andere reagiert auf diese oder wir spinnen an einer Idee solange herum bis wir sie umsetzen. Seid wachsam – da sind noch so einige Ideen die noch nicht umgesetzt sind.
 

 

 

 

:Ihr habt auch ziemlich viel politische Motive, welche Rolle spielen politix bei euch und hat sich das über die zeit geändert?

G.Störtebeker: Ich habe mich schon immer viel mit Politik beschäftigt (Politik fern jeglicher Parteien). Ich arbeite mit Flüchtlingen und Obdachlosen und kann so direkt sehen wie der Staat mit diesem 'Abfall' umgeht…Dies hat meine Einstellung bestärkt, bzw. radikalisiert.

 


 
 
:Habt ihr einen politischen Anspruch an die Streetart Szene bzw seht ihr euch ueberhaupt als Teil einer Szene?

G.Störtebeker: Streetart (genau wie Graffiti) kann nicht unpolitisch sein, wie es sogar, vermutlich durch Unwissenheit, von mir befreundeten Sprayern oft selbst behauptet wird, denn die Hoheit des Staates wird nicht ignoriert, sondern bewusst immer wieder missachtet.

Das ist ja schon eine ziemlich deutliche politische Aussage (ob man will oder nicht!), politische Motive oder Sprüche sind daher überhaupt nicht notwendig. Dennoch freue ich mich auch über so was, wenn es nicht zu platt ist (das ist dann nämlich eher Negativwerbung).

Achtern: Ich habe nur an mich bzw. an uns einen Anspruch. Diesen Anspruch sehe sowohl politisch als auch in der Umsetzung...

 

 

("the sheriff" ist Udo Nagel, Hamburgs Polizeipräsident)

 

:Wie sieht es denn mit Reaktionen auf eure Sachen aus? Kommt da viel zurück und ist euch das wichtig? Habt ihr schonmal derbe Ärger bekommen und seid erwischt worden?

Achtern: Neulich sind mal 5-6 Leute stehengeblieben und haben uns beim Postern zugesehen (wir haben sie ignoriert, weil sie nicht so nach Bullen aussahen) und als wir fertig waren, gab es von denen Szenenapplaus...meistens sind die Reaktionen positiv, aber es werden auch viele Sachen abgerissen, daher gibt es bestimmt auch einige, die nicht so auf den Kram flashen...naja, so ist es ja bei allen Sachen.

G.Störtebeker: Es kommt schon was zurück, oft auch von Leuten, die sonst nix mit Graffiti oder Streetart zu tun haben. Ich hab auch schon oft irgendwelche Leute unsere Sachen fotografieren sehen... das ist schon geil und man freut sich natürlich darüber. Es ist nicht das Wichtigste, aber auch das kann einen pushen.Was Bullenstress angeht, sind wir bis jetzt immer davongekommen. Hier und da mal laufen, aber das war es zum Glück. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir als Piraterie natürlich immer ein Säbel und ein Enterhaken dabei haben... Vielleicht haben die Cops auch deshalb ein bißchen Schiss.

 

 

:Wie seht ihr die Szene in Hamburg? Wisst ihr voneinander, tauscht ihr Ideen und Know-How aus oder läuft das alles eher anonym?

G.Störtebeker: Man kennt einige, macht mal ein paar Aktionen zusammen, ansonsten macht jeder sein Ding. Die Streetartfuzzies, die wirklich viel machen, kann man in HH an einer Hand abzählen. Dafür gibt es viele, die mal eine zeitlang stickern oder mal eine Schablone schneiden und es dann wieder lassen, was ich damit nicht abwerten will… Leute machen lassen was sie wollen.

Achtern: Genau.

 

 

:In Hamburg seid ihr ja sehr präsent, aber in anderen Städten gibt es fast nichts von euch zu sehen. Stimmt der Eindruck oder waren wir bisher einfach blind?

G.Störtebeker: Wenn wir mal in einer anderen Stadt (wie dieses Jahr in Prag, Zürich, London) sind, dann stickern wir da auch ein bißchen oder kleistern mal was ..., aber das meiste machen wir definitiv in HH. Wir sollten mal eine Europa-Tour planen.

Achtern: Ihr seid also nicht blind.

 

 
 
 
 
 

:Ihr deckt auch ziemlich viele Streetart Styles ab und beschränkt euch zb nicht auf eure fliesen.

Achtern: Alles ist erlaubt und alles ist machbar… Deshalb haben alle - alles, aber auch alles richtig gemacht!

G.Störtebeker: Streetart bedeutet für mich gerade, dass man alles machen kann…Fliesen, Sticker, Poster sind ja nur ein kleiner Teil, der Reiz ist für mich auch sich immer neue Sachen auszudenken.

 

:Wie seht ihr eure Zukunft in Sachen Streetart? Wie beurteilt ihr die allgemeine Entwicklung?

Achtern: Beunruhigend empfinde ich die Entwicklung, dass etliche kommerzielle Produkte mit Schablonen, Stickern und Postern auf der Straße beworben werden. Also…macht alle eure eigenen Sachen! Seit kreativ und verschönert die Straßen -um so mehr desto besser!!!!

G.Störtebeker: The Show must go on.

 


 

:Habt ihr noch ein paar letzte Worte für uns?

G.Störtebeker: Die Stadt entern, plündern….Turn Backboard.

Achtern: so looks it out ... slio

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