Interview mit Kloz (2007)

nicht mit hochglanz und massenvervielfältigung, sondern mit unzähligen kleinen und dezenten unikaten macht Kloz in berlin die runde.
wieviel humor und einfallsreichtum in den simplen und unscheinbaren Klozen steckt, erkennt man meist erst auf den zweiten blick... ein gespräch mit Kloz.
 

    
:hallo kloz, stell dich doch mal kurz vor!    

ich bin kloz ohne t, also mit einem langen o gesprochen, meinen kloz gibt es seit 2003. Anfangs hab ich graffiti gemacht, dann 3D-graffiti, bin dann nach berlin gezogen und hab' den kontakt zur crew verloren- die einem ja irgendwie immer die sicherheit und die motivation gab zu machen, dann alleine in berlin, aber immer noch den drang zu markieren, also hab ich das grundsätzlichste meiner sachen herausgefiltert und alleine mit dem "markieren" weitergemacht. der kloz hat sich aber auch schon vorher als grundsätzliches zeichen meiner sachen herauskristallisiert... das fing beim 3D-graffiti an     

 

:was hat der kloz für eine bedeutung?

die bedeutung des klozes - er ist einer der grundsätzlichsten/universellsten formen die die menschen seit jeher benutzen, ich find es ganz natürlich ihn zu benutzen, man denkt in klözrigen strukturen, wenn es um ordnung geht zum beispiel, auch die räumlich orientierung, norden süden, osten...- funktioniert nach dem prinzip der räumlichen richtungen, für mich jedenfalls...

 

 

:Wenn es darum geht gesehen zu werden, warum kleine papier-dinger statt z.b. grosser bombings?

alles war neu, ich kannte nichts und niemanden, ich würd sagen eher zaghaft habe ich die sachen erst mal für mich gemacht, an orten an denen ich auch war. dass dies mal diese ausmasse annehmen könnte hatte ich nicht wirklich angenommen. ausserdem stellten die kleinen dezenten dinger für mich zuerst ein völlig neues Feld dar, in dem ich erst mal lernen musste mich zu bewegen. es ist immer besser, einfach anzufangen mit dingen, um nicht den überblick zu verlieren, für mich jedenfalls hat das immer besser funktioniert. in berlin gibt es ja schon ein überangebot an graffiti, da hab ich halt kleine sachen gemacht. und die leute, die die sachen kennen, die sehen die dann auch.     

 

:sind aufkleber bzw. cutouts für dich nur eine andere form des taggens?    

die definition vom tag ist klar: schriftliche information, persönlicher gestus. zuerst habe ich das ganz klar unterschieden, jetzt würde ich das aber schon gleichsetzen oder um den ganzen traditionellen taggern nicht zu nahe zu treten, würde ich es wohl eher als eine entwicklung in eine andere richtung, die aus der richtung tag kommt, bezeichnen. aber tags mach ich auch, ich kann nicht ohne. (...achso, wörter und buchstaben sind abstrahierte bilder, also warum nicht auch andersrum, wieauchimmer......)     

 

:hast du darüber hinaus sowas wie eine message?

nein, ich habe keine botschaft, es ist von jedem selbst abhängig wie er die sachen sieht, auch wenn ich wollte kann ich die "botschaft" eh nicht beeinflussen. gut ist es, glaub ich, wenn beim betrachter fragen entstehen.

:bester bisheriger kloz?

wiederhohlte cuttings in der kastanienallee in den gerüstplanen und werbefläche des „hakuna matata“- kiosks am u-bahnhof eberswalder strasse. ist beides auf meinem flickr zu sehen.

 

 

:Kriegst du denn feedback für deine klebereien?

ich find feedback cool, wenn ich z.b. jemanden kennenlerne, der mir erzählt, dass er an der haustür seiner schwester in paris einen kloz gesehen hat. so ne ganz banalen geschichten. ich nehme die sache auch nicht so ernst, so dass es mir egal sein kann, ob es jetzt ein positives oder negatives feedback gibt. wichtig an den kleinen sachen ist halt, dass sie nicht auffallen. aber auch auffallen, wie auch immer.

 

:deine sticker sind alles unikate. wieviel zeit investierst du denn in Kloze malen?

die zeit ist ja schon ein bisschen vorbei, wo ich am tag schon mal ein paar hundert gemalt habe. ich hab zumindest in berlin schon ein paar tausend verteilt. ich verkleb die dinger alltäglich und hab die immer dabei. ob ich jetzt zum finanzamt gehe, zum doktor oder in den mauerpark.

 

:es gibt auch Kloze mit organen...    

die character und organe hat meine ex-freundin gemacht, ich die anderen dinger und wir sind zusammen losgezogen. sonst gab es mit anderen leuten eher zufällige zusammenarbeiten. nomad hat auch mal ein männchen mit einem klotz in der hand gemalt und irgendwer hat in den klotz ein „k“ reingemalt. das sah so aus, als hätt ich das gemacht, das fand ich witzig.

 

 

:siehst du dich als künstler?

nö.

 

:was begeistert dich am meisten, was du in den strassen siehst?

also wenn man jetzt von kunst redet, find ich sachen interessant, die halt nicht kunst sind. skurrile situationen, skurrile ensembles, strassenmöbel-zusammenstellungen, mülleimer... so erscheinungen, wenn die stadt genutzt und belebt wird.

 

:hat streetart eine grössere bedeutung für dich?

nee eigentlich nicht. ist mir auch wurscht, ich weiss ja nicht, wie lange das noch mit dem kloz weitergeht, aber wenn da mal was anderes daraus wird, oder es den gar nicht mehr gibt, bin ich auch nicht traurig. ich würd da nichts vermissen, ich mach damit auch kein geld, will damit kein geld machen. solange es spass macht, ist das alles ganz schön..

 

:vielen dank soweit!

kloz.

 

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